Können wir offen sein für unsere körperlichen (und/oder geistigen) Schmerzen?
Die meisten von uns haben nicht, gelernt, mit körperlichen oder geistigen Schmerzen umzugehen.
Oft reagieren wir auf Schmerzen und Schwächen mit Abwehr und Widerstand. Der Geist sagt: Dieser Schmerz sollte nicht da sein. Dadurch werden die Schmerzen jedoch meist noch größer.
Doch wir alle sind immer wieder in unserem Leben körperlichen Schmerzen und Krankheiten ausgesetzt. Wir können diesem Tatbestand nicht entgehen. Dieser Körper ist nicht so eingerichtet, dass er nur angenehme Gefühle produziert.
In der buddhistischen Psychologie heißt es: Schmerzen sind unvermeidlich, aber ob daraus Leiden entsteht, hat mit unserem Umgang mit den Schmerzen zu tun.
Bei einer chronischen Erkrankung können Schmerzen uns unter Umständen das ganze Leben lang begleiten. Dann ist es enorm wichtig, dass wir lernen, mit diesem Bestandteil unseres Lebens gütig und liebevoll umzugehen.
Wenn wir Schmerzen mit Offenheit begegnen, mit einer Haltung des Zulassens und Mitgefühls können sie sich manchmal sogar auflösen oder werden zumindest nicht stärker
Wie können wir das erreichen? Es können uns einige Fragen helfen, diese Haltung zu entwickeln:
1. Kann ich diesen Schmerz wirklich spüren, kann ich für ihn offen sein? Wir erforschen diesem Schmerz: Ist er diffus oder fokussiert, drückend, ziehend stechend, pulsierend? Wie verändert er sich mit der Ein- und Atmung? Wird er stärker oder schwächer?
2. Kann ich diesem Schmerz oder diesen unangenehmen Empfindungen mit vollem Mitgefühl und Offenheit begegnen? Wir können beobachten, wie sich der Schmerz durch diese Frage verändert. Wir können auch versuchen, dem schmerzhaften Bereich unsere ganze Zärtlichkeit in Form einer kleinen Liebeserklärung entgegen zu bringen:
„Mein lieber Kopf. Ich liebe Dich, auch wenn Du mir Schmerzen bereitet.“ Das hilft, den Widerstand gegen den Schmerz aufzulösen oder zu mildern.
3. Dann sollten wir mit unserer Aufmerksamkeit zu einer anderen, entfernteren Stellen unseres Körpers gehen, wo es im Augenblick keinen Schmerz gibt z.B. zu den Füßen oder Händen, um unserer Wahrnehmungsfeld zu erweitern, sodass der Schmerz unseren Geist nicht total besetzt und wir den Raum für andere Empfindungen öffnen. Manchmal wird der Schmerz dann kleiner, manchmal bleibt er da, ist aber nicht mehr so dominant.
Zum Abschluss können wir unseres ganzen Körper spüren und unsere Energie der Achtsamkeit in alle Zellen schicken, damit sich unser Körper so gut wie möglich entspannt und erfrischt.
Einatmend spüre ich wie ich einatme. (Ein –Aus)
Ausatmend spüre ich wie ich ausatme.
Einatmend spüre ich meinen ganzen Körper.
Ausatmend spüre ich meinen ganzen Körper.
Einatmend spüre ich einen schmerzhaften Bereich in meinem Körper.
Ausatmend stelle ich die Frage: kann ich diesen Schmerz zulassen und dafür offen sein
(schmerzhafte Stelle spüren – kann ich für den Schmerz offen sein?)
Einatmend bin ich bereit, den schmerzhaften Bereich zu erforschen
Ausatmend spüre ich, ob der Schmerz eher diffus, pulsierend, ziehend oder drückend ist)
(schmerzhaften Bereich erforschen – Qualität des Schmerzes spüren)
Einatmend spüre ich, ob der Schmerz mit der Einatmung zu- oder abnimmt
Ausatmend spüre ich, ob der Schmerz mit der Ausatmung zu oder abnimmt
(Ein: Nimmt der Schmerz zu oder ab – Aus nimmt der Schmerz zu oder ab?)
Einatmend frage ich: Kann ich diesen schmerzhaften Bereich voller Mitgefühl umarmen?
Ausatmend spüre ich wie sich diese Frage auf die schmerzhafte Stelle auswirkt.
(Ein schmerzhafte Stelle voller Mitgefühl umarmen – Aus: wie wirkt sich das auf die schmerzhafte Stelle aus?)
Einatmend spüre ich in eine Stelle im Körper, die weit von dem schmerzhaften Bereich entfernt ist.
Ausatmend genieße ich die Empfindungen an dieser neutralen oder angenehmen Stelle im Körper.
(Ein: Stelle entfernt vom schmerzhaften Bereich im Körper spüren – Aus: angenehme oder neutrale Empfindungen genießen)
Einatmend spüre ich meinen ganzen Körper
Ausatmend spüre ich meinen ganzen Körper
Einatmend bin ich mir der Kostbarkeit meiner geistigen Übung bewusst.
Ausatmend lächle ich mit selbst liebevoll zu.